Theoretisches und Manifest-Material

Es gibt einige große Übel in der Welt, schlechte Musik ist nicht das größte, aber alle Übel stehen miteinander in Verbindung. Schlechte Musik macht die Welt schlechter, gute Musik vielleicht auch: wer im Anblick der schlechten Welt tanzen kann, muss ein schlechter Mensch sein.

Die großen Übel können besser bekämpft werden, wenn das Herz befreit ist von schlechter Musik; in revolutionären Zeiten hat gute Musik die Aufgabe, die Menschen vom Joch ihres schlechten Musikgeschmacks zu befreien. Je älter der Mensch ist, desto unfähiger ist er, seinen Geschmack zu verbessern.

Im Sinne der Revolution ist Musik gut, wenn sie die Herzen in Brand setzt, die Gehirne durchlüftet mit frischen, exotischen Stürmen, die Füße leicht und den Zorn schwer macht, wenn sie zum Leben verführt, wenn sie saubere Höhenluft atmet, wenn sie aus dunklen Erdtiefen kommt; Musik, die den Demütigen und Duldsamen auslacht, ins Wasser schubst, vom Horizont träumen lässt; Musik als phantastisches Gefecht, Musik als revolutionäre Zelle, Musik als irrationale Propaganda, Musik als Beweis von Liebe und Schöpferkraft und Gesundheit und Unabhängigkeit.

In der Musik, die ich gemacht habe, finde ich den Willen, mich in den Dienst einer namenlosen Revolution zu stellen. Der Rhythmus ist das Dogma, das die Schwammigkeit meiner Sprachskepsis wie ein Exoskelett stützt. Meine natürlichen Feinde sind Fleischfresser und Castingshows.

Die Revolution will alle Grundübel auf einmal beseitigen. Revolutionäre Musik will Geschmäcker verändern, Gedanken erweitern, will bewohnbare Utopien entfachen wie Buschbrände in der Nacht. Musik, die sich am Marktgeschehen orientiert, um ertragreich zu sein, steht im Dienst der Konterrevolution und ist damit Antipode und Endgegner unserer guten Musik.

Je länger die Revolution auf sich warten lässt, desto härter müssen die revolutionären Maßnahmen sein. Je länger schlechte Musik in den Herzen der müden Weltgemeinschaft drückt, desto großartiger, vernünftiger, erbarmungsloser muss gute Musik sein. Ich habe Jahre gebraucht, um die schlechte Musik aus meinem System zu bekommen. Je zufriedener ich mit der Musik bin, die ich mache, desto sicherer kann ich sein, die schlechte Musik überwunden zu haben, die mich klein und ängstlich und pessimistisch und deutsch und rechtwinklig zu halten in den Äther gesendet wurde.

Meine Musik ist das Nebenprodukt, das auf meiner Suche nach meinen revolutionären Wurzeln entstanden ist. Eines Tages werde ich ein Album aufgenommen haben, das ein Mädchen inspirieren wird, den König zu töten.





Vorspann.

Ich weiß nicht, ob meine Gesangslehrerin an mich glaubt. Sie sagt, ich muss glauben, was ich singe und ich erwidere: "Es kann also keinen skeptischen Gesang geben? Kann Unsicherheit nicht die Substanz einer Performance sein?" und sie schüttelt traurig den Kopf: "Mit dieser Einstellung wirst du dir sehr weh tun." Ob sie Recht hat? Vielleicht muss mich eine bestimmte Angst aus der Parallelwelt meiner arroganten Unbestimmtheit holen: die Angst davor, kein festes Ich zu haben.

Meine Unfähigkeit, Überzeugungen zu haben, klemmt in meinem Brustkorb; vermutlich ist es auch nur das Streckmittel in meinem Gras. Der mysteriöse Dealer aus Tunesien ist immer für dich da, aber das Zeug ist manchmal mit Oregano oder Sand gestreckt; ich vertraue seinen Augen, er hat mir letztens ein neues Jackett geschenkt, weil er nicht mehr mit ansehen konnte, wie ich mit meinem zerfledderten Kort-Jackett, strahlend neon-bordeaux, sympathisch grinsend auf ihn zustürze. Und was ist wirklich schlimm daran, von bleivergiftetem Marihuana vergiftet zu werden, wenn das Leben keinen Sinn hat?

Es braucht jedenfalls feste Standpunkte, um ein solider Musiker zu sein - diese Behauptung steht noch im Raum. "Niemals kannst du skeptische Songs singen.", fasst sie am Ende einer lauwarmen Diskussion ihren Standpunkt zusammen. "Ich muss mich also verwandeln, ich muss mich klar definieren, ich muss einen Sänger erfinden, ich muss etwas aussagen, ich brauche eine klare Haltung.", sprach ich und verwand ein paar Jahre im Keller unter meinem Hochbett und brachte mir ein bisschen Klavier bei und schrieb meine ersten, ganz einfachen Songs. Selbstironische, trashige Lo-Fi-Popmusik, mit Noise- und Schlagerelementen.

Ich habe das unverständliche Glück, mit meinen besten Freunden richtig gute Musik machen zu können, ich wäre nichts ohne sie, ich verdanke ihnen so gut wie alles, was würde ich mit meinem Leben anfangen, wenn ich nicht mit meinen Freunden Kunst machen würde? Alles, was mich in Erfurt hält, ist die Essenz meines Daseins.

Florian Silberfisch ist ein schäbiger, aber philanthropischer Alleinunterhalter, der gern auf Möbelhaus-Eröffnungen oder Stadtfesten ganz schlecht einen coolen Songwriter spielt und schiefe, aber ernstgemeinte Popsongs auf einem billigen Keyboard spielt, vielleicht noch einen kleinen Beat, der von Tape-Rekorder kommt. Natürlich kann ich mehr, aber mehr habt ihr nicht verdient. Ich muss mir keine Mühe machen, weil ihr nicht definieren dürft, was wertvolle Kunst ist. Alles ist wertvoll, was ich mache, weil ich eine Menschenwürde habe. Ich scheiße auf die Bühne, weil ich eine Menschenwürde habe: genau die, die im Grundgesetz steht. Jeder anständige Deutsche schläft mit dem Grundgesetz unterm Kissen. Jeder anständige Deutsche macht Entspannungsübungen auf dem Balkon oder im Hobbykeller.

Ich spiele lieber noch auf einem Klavier. Mit Klavier gewinnen die Lieder einen Ernst, der mich irgendwie stolz macht und erstaunt zugleich. Vielleicht kann ich mich über Musik doch besser ausdrücken als mit meinem Körper. Ich bin ja eher ein großes, tollpatschiges Kind als ein richtiger Mann, eine nach Fußmatte und Liebe riechende Tunte mit Hochschulreife und Psychose. Es ist genau 17:17 Uhr. Ich hab Lust, den Reis, der in der Küche köchelt, verbrennen zu lassen.


Manifest des sorglosen Alleinunterhalters (2015)

1 - Popmusik muss ernstzunehmen sein.
2 - Popmusik die frei ist, inspiriert Menschen die nicht frei sind. Jede Musik kann ein Werkzeug gegen Unterdrückung sein, wenn sie mutig ist. Brave, feige Klischee-Kunst bestätigt brave, feige Klischee-Menschen.
3 - Popmusik die Massenware ist, lügt immer. Es gibt Menschen, die von diesen Lügen profitieren.
4 - Genres sind Schablonen für Phantasielose. - Harmonie und Rhythmus sind Vorurteile, die überwunden werden können.
5 - Instrumente wollen gequält werden von den Gequältesten. - Die Menschen, die auf Kippe stehen, dürfen nicht unterhalten werden: sie müssen sich solidarisieren.
6 - Propaganda ist wichtiger als Objektivität.
7 - Überforderung ist besser als Unterforderung.
8 - Alles ist Musik.
9 - Popmusik muss schlampig sein.
10 - Popmusik muss einfach sein.
11 - Kunst ist, wenn man's trotzdem tut. Stil ist, wenn man's trotzdem lässt.
12 - Jedes Mittel ist Recht, um einen guten Song zu fabrizieren.



Thesen

Opposition darf nicht in der Klemme einer Ideologie stecken. Sie ist am wirksamsten, wenn sie inspiriert, wenn sie Menschen bestärkt, sich zu behaupten und sich ernst zu nehmen. Ich behaupte mich: ich behaupte, dass ich etwas bin. Um stehen zu können, muss man so tun, als könnte man stehen. Das Bestehende ist eine Behauptung, die sich auf deine Depression stützt.

Ich kenne welche, die Kunst nur machen, um sich qualifiziert genug zu fühlen, die Fresse weit aufzureißen. Die Frage, ob das qualifiziert ist, was sie sagen, lässt sich eigentlich nur beantworten, wenn man den Effekt ignoriert und den Inhalt bewertet, vorausgesetzt, es gibt da einen Unterschied.

Meine Stimme gehört mir nicht.

Meine Musik soll die abwesenden Götter davon überzeugen, abwesend zu bleiben.

Liedtexte sollen die Musik davor bewahren, vom Zuschauer für seine Zwecke missbraucht zu werden. Der Text definiert den Ernst bzw. die Frivolität, unter deren Licht das Lied steht.

Ganz bestimmt hängt der Wunsch, jemanden zu küssen, mit der Erkenntnis, dass das Leben nicht ewig ist, zusammen. Musik festigt diesen Zusammenhang.

Der Verbrecher und der Wahnsinnige erinnern uns an unsere besten und schlimmsten Kräfte. Kunst, die dich nicht entkoppeln will von diesem Staat und seinen Realitäten, will dass du einknickst.

Die Unfähigkeit zu begreifen, dass ich nicht der einzige Mensch auf der Welt bin, macht mich immer unzufriedener mit der Musik, die ich gern höre.

Die Sehnsucht nach „entsprechender“ Musik ist unsinnig. Kein Lied könnte der Innenwelt oder auch nur gewissen Teilen „entsprechen“.

Musik idealisiert Gefühle, Musik ist der Grund für die schlimmsten Enttäuschungen im Leben. - Sie hält mich so warm und allwissend und herzlich und aufrichtig fest und bei Verstand - und doch weiß ich es besser. Es gibt kein Wort für den Schmerz, den diese Gewissheit mir macht. - Ich hätte niemals aus dem Kindergarten gelassen werden dürfen.

Sich vor mir zu schämen ist das gleiche, als würde sich Andrea Berg bei Helene Fischer dafür entschuldigen, so schlechte Musik zu machen. Sei unbesorgt, mein lieber Freund, erzähl mir von deinen Fehlern und Demütigungen.

Ich möchte niemals vergessen, dass ich viel mehr bin als Musik je sein könnte. Manchmal entsetzt mich die Distanz, die ich zu "meiner" Lieblings-Musik empfinde. Der Überdruss an mir selbst lässt mich keine Schönheit mehr empfinden. Es fühlt sich wie ein Verbrechen an, derart den eigenen Musikgeschmack zu verraten.

Ich habe Angst, dass meine Skepsis letztlich auch noch meine Leidenschaft für gute Musik durchtränkt, wenn sie all die starken Lieder, die mir Trost spenden, zerfrisst.

Das Loch in den Verhältnissen

1) Ich habe angefangen, mit meinem sehr überschaubaren Talent Songs am Klavier zu schreiben, weil so ziemlich jede Musik, die von Songwritern meiner Generation gemacht wird, ich nenne nur Philibb Pöyzel, AnneMennaKantenfork und Antidre Bergani, in mir einen solchen Ekel erzeugt, dass ich schon längst graue Haare und einen dicken Bauch bekommen hätte, würde in mir nicht der Wahn leuchten, etwas Anmaßendes, Dreckiges, Schiefes, Schwammiges, Aggressives dem großen, langweiligen Schlagergarten entgegenzuhalten. Ausgangspunkt meiner Songwriter-Laufbahn war dieses schwarze, heiße "Das-kann-man-sich-doch-nicht-gefallen-lassen"-Gefühl. Dass die oben erwähnten Künstler (ich möchte nicht, dass ihre korrekt geschriebenen Namen in meinen Texten vorkommen) als authentische, exemplarische Stimmen der "jungen Generation" gelten, erfüllt mich mit vulgärer Fremdscham. Sicherlich gibt es Menschen, die sich mit solcher Musik identifizieren können, es sind vielleicht sogar viele, sehr viele. Gerade deshalb muss ich etwas entgegensetzen, wenn ich mich als empfindsamer Mensch überhaupt ernst nehmen will. Ich hasse die deutsche Schlagerszene, dieses gefräßige, geschmacklose Ungeheuer; Pöyzel sitzt in dem selben Boot wie dieser groteske Wändler, sie haben die selbe Haltung zur Industrie, die selbe Meinung vom Publikum, den selben Anspruch an sich selbst. Ob man jetzt auf weinerlich und sensibel macht oder einfach nur ein geldgeiler Großkotz ist, der einheizen will: in beiden Fällen lähmt man das verehrte Publikum, mindert man seine Intelligenz und Phantasie, ohne dass es Wind davon bekommt. Reaktionärer Biedermeier-Muzak sorgt dafür, dass Studenten ihre konservative Gesinnung und greise oder angegreiste Schrebergärtner ihre Langeweile und Müdigkeit nicht hinterfragen wollen. Meine Musik muss man als gescheitert bezeichnen, wenn sie auf FDP- und CDU-Wahlpartys benutzt werden kann, um gute Stimmung zu erzeugen.


2)
Die Idee ist einfach - und diese Einfachheit ist kein Einwand, niemals: ich kann mit Musikinstrumenten machen, was ich will. Ich muss keinen einzigen Akkord spielen können, um ein Musiker zu sein. Ich muss mich auf nichts einlassen, um einen Preis zu verdienen. Ich brauche nicht berühren, um zu bewegen. Mein Lied braucht keinen Rhythmus, meine Bühnenpräsenz muss nicht authentisch oder ironisch oder mitreißend oder sexy oder auch nur sympathisch sein. Ich muss nichtmal richtig vorhanden sein. Ich muss an niemanden denken, schon gar nicht an mich selbst. Ich stelle mir vor, wie ich ein Mikrophon in den Kackhaufen einer alten Oma matsche, um daraus einen Background-Loop für diesen Text herzustellen, den ich dann mit einem reinen, unschuldigen Gesicht performe. Ich muss mich an nichts halten, um mich zu verwirklichen. Mit dieser fanatischen Nüchternheit peitsche ich die Schwerfälligkeit meiner Zweifel in den Frühling hinaus.
Meine Naivität ist mein Hauptantrieb. Ich möchte nicht originell scheinen. Die Lust auf Originalität macht blind für die unbezwingbare Allmacht der Banalität. Solang ich mir selbst glaube, kann ich beruhigt sein. Stil soll überreden. Die Essenz ist immer banal, also spar dir deine ach so kritischen Anmerkungen. Jeder will irgendwie durchkommen, der eine so, der andere so.

(3)
Warum Erwartungen erfüllen? Warum Erwartungen enttäuschen? Lieber kein Gesicht, lieber kein Schicksal haben! Sich an die ästhetischen Gewohnheiten der Menschen anpassen heißt, ihr Tun und Denken und Fühlen abnicken. Vor welchen Karren willst du gespannt werden? Für wen willst du den Buckel krumm machen? Wer darf dich kneten? Wer darf dich überhaupt anfassen? Du weißt, dass ein Messer nicht nur dazu da ist, Äpfel zu zerteilen und Brot zu schmieren.

Alles, was ein Musiker sympathisch findet, führt ihn in eine Sackgasse, in der seine Musik Muzak wird. (Sobald die Kunst aufhört, zu widersprechen, ist sie Dekoration.) - Wer die Welt nicht wie sie ist ertragen will, nicht ertragen kann, wird irgendwann Lust haben, diejenigen zu verärgern, die sie ertragen wollen; die Art und Weise, wie man mit dieser Lust umgeht, entscheidet, ob man Künstler oder Terrorist oder depressiv oder "abartig" wird.

Warum bewegst du dich noch? Welcher Hoffnung opferst du deine Möglichkeiten? Ist das, was du sein willst, kompatibel mit dem, was du noch bist? Was heißt das eigentlich genau: sich verändern? Gibt es Musik für deine ältesten Ängste und geilsten Irrungen und bösesten Flüche und problematischsten Sehnsüchte? Passt du in die vorhandenen Kategorien? Reichen dir die vorhandenen Werkzeuge aus? Von wem willst du beklatscht werden?
Also: für wen und warum machst du Musik?

(4)
Wir glauben nicht mehr an Gitarre-Bass-Schlagzeug. Wir glauben auch nicht mehr den kaltherzigen Beats in der Großraumdisko, die jede noch so reiche Kultur-Hauptstadt in ein piefiges Provinznest verwandelt. Wir glauben nicht mehr dem Gejammer und Gelüster und Gefeixe in den Hitparaden. Wir lassen uns auch nicht mehr vom snobistischen Nimbus der Avantgarde beeindrucken. Respekt ist Resignation. Wir wollen unsere eigene Musik, hier und jetzt. Wir wollen unser Innenwelt nicht mehr an Ideale anpassen, die bloß den Sinn haben, das Wirtschaftssystem instand zu halten. Das Geld ist immun gegen Kritik, man kann es bloß gründlich hinter sich lassen wollen - oder zusehen wollen, wie es alle Phantasie, alle Sehnsucht nach einer besseren Welt, alles Leben zersetzt.

Die Menschen sind darauf programmiert, dieses System zu unterstützen - Kunst kann dieses Programm unterstützen oder ein Gegenprogramm senden. Weil sie nicht auf Worte (jeder Begriff ist ein Ideal, an dem sich die Wirklichkeit die Zähne ausbeißt) angewiesen ist, erreicht sie Tiefen, die der Verstand nicht untergraben kann, sie zwingt keine Gedanken auf, sondern gibt bestimmten, unnennbaren Gefühlen Raum und Kraft, das gewohnte Gleichgewicht gerät auseinander und alles beginnt sich grundlegend zu verändern.

Wir leben in einer kalten, grauen Welt, verkeimt von trägen, genusssüchtigen Mitläufern, die ihr kleines, bescheidenes Glück von ihrem Arbeitsplatz abhängig machen lassen. Solche Menschen lassen sich gut beherrschen. Fette, nimmersatte Industriebosse, die nur die eigene Profitmaximierung im Sinn haben, halten alle Fäden in der Hand. Dieser rechtwinkligen, entmenschlichten Ingenieurs-Kultur setzen wir einen bunten, fruchtfleischigen Anarcho-Faschismus entgegen, indem wir rücksichtslos unsere Werte und Ästhetik (beides bedingt einander) in unserer Kunst ausleben. Nur die Kunst kann noch ohne Blutvergießen die Verspannungen und Verhärtungen dieser Gesellschaft lösen. (Wir haben nicht viel Argumente, die gegen Blutvergießen sprechen.)

Wir sind keine Nerds, die in ihren Nischen Ihresgleichen unterhalten wollen, wir sind eine Bande aggressiver Hampelmänner, die mit sachlichen und unsachlichen Brechstangen ins Establishment einbrechen, um berühmt zu werden für die Lust, mit Brechstangen gegen Verwurstung und Monokultur anzukommen. Wir sind ein desorganisiertes Kollektiv unnützer Künstler, enttäuschter Philanthropen, verlorengegangener Suppenkasper. Wir sind die zerfahrene Lobby der allerletzten Unterschicht. Wir sind die Partei der sitzengelassenen Sensibelchen, der glorreichen Nichtsnutze, die auf Hausdächer sitzen und den grauen Himmel anstarren, die in ungemütlichen Wohnungen glücklich sind und keine abschließenden Antworten nötig haben. Wir sind die, die sich vorgenommen haben, sich wegen nichts mehr zu schämen, weil tief im Bunker unseres Herzens alles instabil ist. Wir sind die, die alles ernst nehmen. Wir sind so undeutsch wie die Erde, so antichristlich wie die Luft, so idealistisch wie ein Komposthaufen. Wir sind räudige Hunde, die ausgesetzt wurden oder geflohen sind und sich nachts in einem großen, verwinkelten, verwunschenen Haus am Rand der Stadt zusammentummeln, um große oder lächerliche Pläne gegen den Staat oder eine Behörde oder gegen den Lebensüberdruss oder gegen die Lebensgier zu schmieden, um das destruktive Potential der Schlaflosigkeit zu nutzen, um nicht an sich selbst zu verbrennen oder zu erfrieren.

(5)
Spucken wir all unsere Irrationalität ins Universum. - Wir sind niemals Beiwerk oder Tapete, wir sind niemals eine amüsante Randerscheinung, eine zufällige Laune der Natur: nein, wir sind der Main Act, der Headliner, die Zukunft, die Wahrheit und das Licht. Wir arbeiten so lang, bis wir uns selbst glauben und dann noch ein bisschen weiter, bis alles wieder umfällt. Brutalität ersetzt Glaubwürdigkeit. Erst wenn die Charts und Bestsellerlisten und Kinos und Schulen und Marktplätze nach Kompost duften, werden wir ein paar gute Jahre durchatmen können: erst dann werden wir uns fortpflanzen, erst dann werden wir Häuser bauen, erst dann werden wir uns die Haare kämmen.

Die Menschen werden immer wieder Lust auf ein perfektes System, auf Kontrolle, auf Disziplin und saubere Grenzen und feste, verlässliche, anbetbare, alles entschuldigende, ewige Idealen haben. Es wird immer wieder zu Einseitigkeiten, Verhärtungen, Sackgassen kommen. Unsere Kunst soll die Menschen daran erinnern, dass die Welt gestaltbar ist, dass sie gestaltbar bleiben muss. Niemals irgendwem vertrauen, niemals auf einen Endzustand hinarbeiten! Der Notwendigkeit des ewigen Fließens muss unsere Kunst Rechnung tragen. Dafür sind wir hier und dafür wollen wir von Euch beklatscht und mit Unterwäsche und Plüschtieren und Preisen beworfen werden.


Euer Musikgeschmack ist ein Tumor
und meine Songs sind Gleitgel
für euren persönlichen Dämon
der euch im Nacken sitzt
mit einer wunderschönen Erektion,
denn der Geruch eures Tumors macht ihn geil,
er will ihn ficken, hart und dreckig.



(6)

Meine Musik soll ganz einfach gemacht sein, Audacity muss reichen, ganz einfache Samples, Hymnen aus Trash und Wüste, Blumenbeet und Nihilismus. Rauschhafte, komplexe, subtile Songs, surreale Videos, alles so einfach wie möglich. Ein zusammengestückelter Sample-und-Meme-Schmelzkäse, fröhlich oder bitterböse am Leben sein und sich äußern und verbinden mit den Anderen. Jedes Video ist gleich, jedes Video ist anders, so wie die Tage in denen wir uns bewegen. Eine absurde Orgie übersteigerter Vitalität. Alles ganz ganz ganz langsam kommen lassen, mach es dir richtig gemütlich und arbeite ganz langsam an einer Sache, immer nur an einer Sache, zumindest am Anfang, wenn alles noch droht im Sand zu verlaufen. Hier müssen wir fanatisch sein. Also, große, komplexe, mehr oder weniger gesamplete Lieder und komische Videos, einfach in dem Medium und den Möglichkeiten treiben lassen, organisch wachsen. Ein Musikvideo ist eine Live-Performance eines Liedes, ein halbstündiges Manifest, vorgetragen von 100 Leuten in einer Mischung aus Chor und Theater. Laut, absurd, bekifft. Grüne Kacke, das steht rot geschrieben auf meinem vierten, grünen Buch. Trash, Zerstörung, bunte Blumen vs. Langeweile, Zersetzung, Erfurt. Erstmal ist das ein Buch mit ganz vielen ersten Kapiteln. Das ist der erste Teil. Ein zerfahrens Ausgangspunkten. Jetzt erstmal eine Pause und meinen Youtube-Kanal und die Facebook-Stachelschwein-Sache mit Leben gefüllt. Aber erstmal entspannen und zu Anne nach Leipzig. Einfache psychedelische Musik, Trash mit Soße, grüne Kackwurstsuppe und ultrakommunistisch, es geht darum die Gemeinsamkeiten des Punk und des Free Jazz zu betonen, hier in dieser neuen Zeit brauchen wir einfach neue Antworten, neue Räume, neue psychedelische Verzettelungen, seht ihr nicht, wie sich da draußen alles dunkel und kalt zusammenzieht? Wir können noch so fröhlich abgespalten herumzucken und Zucker und Gras fressen und bunte, schwere Gase produzieren... Niemand reicht uns jemals die Hand!, und ein euphorischer Negerchor ermutigt mich, weiterzugehen, einfach weiterzugehen. Die Dunkelheit ist nicht gefährlich, die Kälte ist nicht tötlich, die Einsamkeit ist nicht unendlich. Je lauter die Musik, desto kleiner die Zweifel. Musik muss LoFi und mitreißend und hochkomplex und anmaßend und schonungslos sein. Wir wollen uns selbst beeindrucken, es geht immer irgendwie weiter, ich hab mir ein paar Gedanken gemacht und suche noch die richtige Form dafür, ich habe ein bisschen Angst, mich mit der Zukunft zu beschäftigen, ich habe eine Abscheu davor, geschäftlich tätig zu werden, ich möchte nichts mit Leuten zu tun haben die nichts mit mir anfangen können, ich möchte mich konzentrieren.... Ich möchte etwas ganz einfaches, ganz selbstverständliches machen.... Texte und Musik machen, Möglichkeiten realisieren mit meiner Körperkraft, meiner Geisteskraft, der ich oft nichtmal zutrauen kann, den Zug rechtzeitig zu erwischen. Franz der Käfer, auf der Heizung, liest eine Zeitung, die weiß auf schwarz druckt, manisch, ängstlich, ausgehungert, kalt und gierig. In diesen unsicheren Zeiten, in diesen unsicheren Zeiten, in diesen... Moment, du hast da ein Stück Himmel an deiner, an deiner, ... willst du, dass ich es... dass ich es? Es ist gleich halb drei Uhr nachmittags und ich wünschte ich hätte ein noch viel existentielleres Verhältnis zu meinen Texten, ich glaube langsam, dass ich an meinen gegenwärtigen Zenit bin, ich muss mich jetzt besinnen, seit einem halben Jahr sag ich das und dann kommt mir diese Manie in den Weg. Das schlimme an einer Manie ist, dass es total schmerzt, wenn etwas nicht so läuft, wie man es sich denkt, und dass man sich sehr schnell aus dem Sozialgefüge bomben kann, wenn die anderen nicht mitspielen. Das es ein Spiel ist, ist weltbekannt. Und dass die Fröhlichkeit nur gespielt ist und dass der Ernst hinterallem ebenfalls gespielt ist, dass es überhaupt keine Grundlage für irgendwas gibt, das ist die große Freiheit, mit der ich am Ende dieses Satzes einfach nichts mehr anfangen kann.




Weitere Thesen

„Nachdem man die Produkte der Avantgarde ästhetisch neutralisiert auf den Markt gebracht hat, will man nun ihre Forderungen, die nach wie vor auf eine Verwirklichung im gesamten Bereich des Lebens abzielen, aufteilen, zerreden und auf tote Gleise abschieben. Im Namen der früheren und jetzigen Avantgarde und aller vereinzelten, unzufriedenen Künstler protestieren wir gegen diese kulturelle Leichenfledderei und rufen al e schöpferischen Kräfte zum Boykott solcher Diskussionen auf. (…) Wir, die neue Werte schaffen, werden von den Hütern der Kultur nicht mehr nur lauthals bekämpft, sondern auf spezialisierte Bereiche festgelegt, und unsere Forderungen werden lächerlich gemacht.“
(aus einem Flugblatt der Gruppe SPUR vom Januar 1961)


Die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen reicht nicht: man muss Löcher in die Verhältnisse bohren und mit Fragen und Hoffnungen füllen.

Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, Alle zu ermutigen, "ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen", sondern Viele davon abzuhalten.

Jede Kunst, die nicht unsere Unfähigkeit, in diesem System Fuß zu fassen, stabilisiert, ist verschwendete Liebesmüh.

Ich sehne mich nach unheimlichem Krach, der dem kommenden Wandel ein überzeugendes Gesicht gibt; ein plötzlich hervorbrechendes Holterdiepolter aus einer langen, langen Erschöpfung; angestaute Naturgewalt; organische, übereinandergelagerte Rhythmen, das Selbstgefühl zerfetzende Disharmonien, atonale Säuberungen, kakophone Endlösungen.

Ist die Kunst, die wir machen, nicht bloß eine Mittel, um uns selbst auszuweichen? Stilisieren wir uns nicht mit allem, was wir tun, zu etwas, was wir nicht sind? Wir können uns nie über unser Fleisch und die Kälte der Welt hinwegsetzen. Wir können uns nur dekorieren oder abspalten. Wenn wir darauf besonders stolz sein können, dann tun wir es ohne eine Spur zu hinterlassen.
Nur weil es eklig ist und noch niemand gemacht hat, muss man es nicht gleich als Kunst bezeichnen.
Der Spruch „Hipster hassen ist doch selbst schon voll hip“ - ist ein Spruch der Hipster! So eine ausgemachte Scheiße! Und wir sind denen beinah auf den Leim gegangen!
„Sie sehen, dass die Menschen im Traum außerordentlich schöpferisch sind. Menschen träumen häufig Geschichten, die sie einfach drucken können als eine Kurzgeschichte von Kafka oder als den Gegenstand eines Dramas. Menschen die wenn sie wach sind nicht im entferntesten im Stande wären, solche Dinge zu denken, außer Stande wären auch nur einem Gedicht mit Verständnis zuzuhören. Warum? Weil im Menschen diese kreative Gabe existiert, aber nur wenn er schläft. Sie könnten sagen: Dichter sind Menschen, die dichten können wenn sie wach sind. Der gewöhnliche Mensch kann nur dichten, wenn er schläft. Warum? Weil unser waches Leben so beschäftigt ist mit Geldverdienen, sich zu schützen, zu verteidigen, anzugreifen, dass für die feineren Tätigkeiten der Menschenseele kein Platz ist. (. .) Im Schlaf sind wir frei und im Schlaf zeigen sich schöpferische Kräfte im Menschen, die im Wachen sich nicht zeigen. Sie sind aber da und können entwickelt werden, dazu muss man sie aber anregen." (Erich Fromm, Interview)
Nur Kunst aus den dunklen Tiefen eines gesunden, gierigen, mit Liebe und Wahnsinn aufgeladenen Körpers kann jemanden stimulieren, der das Vertrauen in Worte verloren hat.
Die Abtrünnigen müssen die Existenzbedingungen abtrünniger Künstler am Leben halten, da nur diese ihnen das Dasein erträglich machen und damit endlich rechtfertigen können.
Zwei Arten zu feiern: (1) Orgien der Betäubung; (2) ein Denkmal setzen dem blühenden Leben. Jeder wählt, was ihm entspricht.
Der Mensch braucht die Kunst, damit der Verstand nicht das Herz zerfrisst.
Die Tiefe der Kunst steht denen offen, die sich verloren haben oder verlieren müssen.
„Nur weil man dich nicht versteht, bist du noch lang kein Künstler.“, hält die Arroganz der Unterernährten deinem Taumel entgegen.
Der eine beschützt die Kinder, der andere macht sie wehrhaft, der dritte zeigt ihnen den Feind.
Der Glaube, eine Form zu haben, ist manchmal nicht mehr als das Bewusstsein der Formlosigkeit.
Es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen konstruktiver und destruktiver Irrationalität. Beides zerstört und erschafft gleichermaßen unberechenbar.

Das Alltägliche ist das Gerüst für die Treppen zu einem anderen Ich.

Man soll weder seine tote Vergangenheit noch seine sterbende Gegenwart in der Kunst finden wollen, lieber seine noch lebendigen Möglichkeiten in der Zukunft.

Eine mittelmäßige, flache, einseitige Leitkultur wird immer eine noch mittelmäßigere, flachere, einseitigere zukünftige Kultur bringen, und diese wird die Menschen noch leidender, hässlicher, unfruchtbarer machen.

Jede Stimme entstellt das Gesagte.
Ist dein Buch eine Gesamtschau? Ein System? Etwas Abgerundetes? Ein Ausschnitt? Eine Rose geschmolzen aus jahrelang gesammeltem Goldstaub? Oder ein Waffenarsenal? Ein Steg, eine Brücke, eine Festung? Oder ein Steinwurf, eine Flut, eine Wüste? Oder Wein? Oder Tapete?
Lass dich von Worten niemals festhalten, immer nur bewegen.
Sprechen, schreiben, in Worten denken ist nur der Versuch, an die Grenzen der Worte und Sätze und Phrasen - der Buchstaben selbst zu kommen. - Es werden neue Mittel der Verständigung (mit sich selbst und mit anderen Menschen) kommen, weil neue Empfindungen kommen werden.
Manchmal will man bloß etwas nicht wahrhaben, weil man es nur in einem bestimmten Duktus ausdrücken kann, den man längst überwunden haben will. „Ich weiß, was du meint, aber es klingt einfach nur eklig. Von dieser Art zu Reden habe ich mich frei gemacht - und deshalb denke und fühle ich auch nicht mehr so.“

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Musik

Siehst du deine Wunden heilen? Hier, nimm mein Messer, nimm mein Messer und schneide deine Wunden auf, schneide sie auf und schmier dein Blut in mein Gesicht, ganz langsam, du brauchst keine Angst vor deiner Angst haben, lass sie zu, ich pass auf dich auf, ich bin deine Gegenangst, ich kann al es neutralisieren, was dich bedrückt. Ich bin eines deiner Lieblingslieder.
Es ist Zeit, viel viel strenger zu sein.  Wir müssen jetzt von der Art, wie ein Musiker sein Instrument spielt, darauf schließen, wie er zur Gesellschaft steht, in der gerade spielt. Wir wollen keine Versöhnung mit dem Publikum. Gebt ihnen das, was sie verdienen! Keine Unterhaltung, bloß keine Unterhaltung! Wir wollen nicht zu Tränen rühren, wir wollen nicht helfen, den Alltag in diesem Gesellschaftssystem zu bewältigen. Wir wollen das Bewusstsein zerschneiden mit nihilistischer Euphorie. Niemals mehr richtig gerade aus gehen können wollend immer lauter und heftiger werden, bis jeder Zweifel mit einem dummen Lachen in die Klinge unseres Übermutes rennt. „Ich werde morgen wieder nicht zur Arbeit gehen, denn mir ist wiedereinmal klar geworden, dass ich alles alles alles besser weiß.“
Wir verschwenden unsere Macht. Wir täuschen uns, um glücklich zu sein. Wir mühen uns an Dingen ab, die uns vorgaukeln, dass es sich für uns lohnen würde. Warum? Es gibt keine Musik, die uns widerspricht.
Jedes Lied, das in dir die Lust zum Tanzen, zum Weinen, zum Vernichten entfacht, hat sich in dich verliebt - und ist übrigens nicht auf Gegenliebe angewiesen.
Weil dein Geschmack es verdient hat, gewürdigt zu werden, sollst du dich bewusster und offensiver mit ihm auseinandersetzen: sag anderen, was dir schmeckt und nicht schmeckt und bewerte mit deinem Geschmack den Geschmack der anderen und erkläre, was es bedeutet, diesen und jenen Geschmack zu haben. Mach dich zum Maß aller Dinge.
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Es wird Frühling. - Wer ganz genau wissen möchte, wie ich ab und an so misanthropisch sein kann und deshalb auch nichts von Demo- kratie halte, der möge sich bitte einfach nur die Youtube-Kommen- tare zu Videos von Brunner&Brunner anschauen. Eigentlich haben Leute, denen sich beim Lesen nicht wie mir der ganze Körper vor Ekel krümmt, gar nicht das Recht, dieses Buch zu lesen. Dass es solche Mu- sik gibt, ist schon schlimm genug: so etwas in die Welt zu kacken steht für mich auf der selben moralischen Stufe wie versuchte Vergif- tung des Grundwassers mit radioaktivem Müll. Dass es aber auch noch im Massen gekauft, geschluckt und als angenehm empfunden wird, setzt diesem Umweltverschmutzungsskandal die Krone auf und ihr Funkeln kann man noch vom Mars aus sehen. Allein dass der Mensch in der Lage ist, solche Musik zu hören, ist ein hinreichendes Argument gegen den Fortbestand der menschlichen Zivilisation.
Niemand, der ernsthaft verliebt ist, würde behaupten, dass die Lieder von Brunner&Brunner auch nur ansatzweise etwas mit dem Verliebt- heitsgefühl zu tun haben. Wer nicht so viel wie möglich Fans von Brunner&Brunner erschießen will, der weiß nicht, was Liebe ist - ich habe mir vorgenommen, diese These wissenschaftlich zu belegen, um irgendwann eine offizielle Lexikon-Definition und schließlich ein Strafgesetz durchzusetzen. Liebe beweist sich durch die Lust, Men- schen zu töten, die Musik von Brunner&Brunner schön und ergrei- fend finden. Wer willentlich und ohne Ekel Musik von denen hört, wird mit einer sofortigen Lobotomie aus dem Verkehr gezogen. - Es ist einfach eine furchtbare Beschmutzung, Herabwürdigung des Liebesbegriffs. In den Lieder von Brunner&Brunner geht es nicht um echte, starke, gesunde Liebe, sondern um eine lasche Biedermeier- Behaglichkeit - und die Sänger und Produzenten verdienen sich mit so einer spießigen, vielleicht sogar krebserregenden Flachheit noch eine goldene Nase. Wer, wer kann das akzeptieren? - Ich kann mir schon vorstellen, was man mir sagen wird: „Mir gefällt solche Musik auch nicht, aber lass doch die Leute hören, was sie wollen! Es ist doch deren Geschmack! Hör doch einfach was du willst und fertig!“ - Nein! Ich will solches liberale, resignierende Gelaber nicht hören! Ich kann es nicht ertragen! Wenn ich irgendwann erkenne, dass ich es doch zu ertragen (vielleicht sogar zu akzeptieren, oh weh! Vielleicht sogar als gerechtfertigt zu halten) drohe, spritze ich mir eine Überdosis Heroin und springe in einen Vulkan.

Verzweiflung.
(1) - Es wären uns viele nebensächliche Werke erspart geblieben,
wenn die Künstler verstanden hätten, richtig verzweifelt zu sein.
(2) - Ich möchte Verzweiflung so darstellen, wie ich sie empfinde:
kaltes, unharmonisches, atonales Dröhnen, das alles zerreißen will.
Wer verzweifelt ist und mit Harmonien und Strukturen besänftigt werden kann, ist nicht verzweifelt genug. Die Darbietung halbarschiger Verzweiflung ist eine Ohrfeige für alle, die wirklich keine Hoffnung mehr haben.
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Manche Musik ist so schlecht, so giftig, so herz- und hirn- zerdrückend, dass man sich fragen muss: „Was leisten die Leute, die sowas hören, in ihrem Alltag, um derartige Betäubung, derartiges Gift nötig zu haben? Was verdrängen sie? Welche Schmerzen, welche Bosheiten, welche Perversionen müssen sie verwalten?“ Dies nur als kleine, noch zurückhaltende Andeutung, was ein wissenschaftlicher, humanistischer Kulturpessimismus leistet sollte.
Ein Lied muss etwas zerstören oder etwas verteidigen, aber es soll keine Tapete sein.
Rock ist tot.
(1) Heute steht Rock entweder für Nostalgie (die Klassiker) oder
Kommerz und Quote (das Aktuelle). Was früher neuen Gefühlen den Weg ebnete und neue Wege zu stabilisieren suchte, ist heute allseits beliebte Pop-Soße, die keinerlei schöpferische Kräfte mehr mobilisieren kann.
(2) In den frühen Jahren der Rockmusik (50er - 70er Jahre) hatten
die jungen Leute noch einen Grund, sich zu feiern, gelang es ihnen doch, sich zu emanzipieren von der Gesellschaft. Heute sind sie genau so eng verbunden mit ihr wie in den frühen 50ern. Heute sind Frauen und nicht-weiße Rassen freier, aber sonst hat sich nichts an dem geändert, wogegen die frühe Rockmusik sich gewendet hat - vieles ist noch schlimmer geworden. Die Musik wird heute höchstens benutzt, um sich vom Götzendienst an der Gesellschaft etwas abzulenken.
Heutige Rock-Konzerte/-Feiern sind nur noch alberne Shows, bei denen man sich etwas entspannen, etwas Spaß haben soll, damit man es in der Gesellschaft aushält - fertig. Alles, was heute noch die Eltern und Sittendreher schockiert, ist banales, plumpes Provozieren, irrelevanter Narzissmus, alberne Coolness, selbstgefällige Resignation
die keine neuen Räume und Gefühle erschließt. Entweder die Musiker von heute wühlen sich onanierend im Status Quo, oder sie wimmern onanierend über den Status Quo, entweder sie blasen sich auf oder kokettieren mit ihrem Weltschmerz. Sie haben nichts, was man gebrauchen kann, um sich zu verteidigen gegen diese kalte, kranke, lebensfeindliche Welt. - Die heutige Rockmusik liegt im Sterben, sie dekoriert mit ihren stumpfsinnigen Klischees das letzte bisschen Kraft einer vollends verlorenen Generation; alles was sie 259
hervorbringt ist bei genauerem Hinsehen altbacken und fahl.
(3) Das aufgeblasene, verlogene „wir sind böse, wir sind unan-
gepasst, wir sind individuell“, die resignierende, deprimierende Ästhetik des Hässlichen und das pseudo-rebellische und durchkom- merzialisierte, oberflächliche „Leb-Dein-Leben“-Gephrasel zwischen nostalgischem „Born To Be Wild“ und Party-Dekorations-Punk „Schrei!“; der lauwarme Kindergartenquatsch wie „Cleaning Out My Closet“ und „Sexy Motherfucker“, die greisen, eroberungssüchtigen Gesten zwischen Mittelfinger und Exhibitionismus, die aufgesetzte, selbstgefällige, hohle Coolness, die ekelhaften Gitarrenorgasmen wie spröder Knorpel (weil das Fleisch weggefressen ist, so lange schon), die blutarme, selbstgefällige Attitüde zwischen Selbstmitleid und „Let's Rock“, all diese Dekadenz-Erscheinungen blasen dir eine Kälte in die Seele, die die Hitze deiner besten Organe entfacht..
(4) Die Tatsache, dass ein antisemitischer, nationalkonservativer
Schrebergärtner in der Lage ist, ACDC, Led Zeppelin, Metallica, Nine Inch Nails, Nirvana oder The Clash zu hören beweist, dass die Rockmusik keinen Wert hat. Ja, sie ist gescheitert und gehört auf den Scheiterhaufen.
(5) Die Tatsache, dass ich jemanden nicht mögen bzw. von
jemandem nicht gemocht werden kann, der genau so gern Musik von den Einstürzenden Neubauten oder Peter Brötzmann hört, ist ent- weder ein Beweis, dass er oder ich die Musik nicht ernst genug neh- men.
(6) Musik kann nichts wesentliches vermitteln. Wenn ich als
20jähriger „Like a Rolling Stone“ von Bob Dylan höre, dann bin ich in einer völlig anderen Schwingung als ein Hippie, der in den 1960ern groß geworden ist. - Die Neunte von Beethoven - fand Hitler toll, fand Stalin toll, finden die Juden toll und Helmut Schmidt und Thomas Gottschalk auch. Hitler fand sie z.b. toll, weil in dem Stück etwas Mächtiges, Schicksalhaftes, Göttliches, Erschütterndes ausgedrückt ist, Helmut Schmidt findet es toll, weil sie sein Humanistenherz anrühren, weil er sich als Teil einer höheren Menschheit fühlt, wenn die Musik sein Herz zum klingen bringt.
(7) Rockmusik ist schon lang erwachsen geworden, über Dave Grohl
und Thom Yorke können wir, die Kinder dieses neuen Jahrtausends, nichtmal mehr lachen. Rockmusik ist zu einer fauligen Farce verkommen. Sie kann nichts mehr anrichten. Sie dekoriert nur das 260
Gegebene - da kann sie noch so rebellisch herumglotzen und herumhampeln. Heuchelei soll nicht mehr unser Seelendekor sein.
Dafür ist uns unsere Seele zu wichtig. Die Wichtigkeit unserer Seele ist die Kreissäge, vor der den bigotten, reaktionären Rockmusikern von heute grausen soll. Ihr Grausen wird leuchten - und wir werden den Weg aus der Dunkelheit finden.
(8) “Rock stirbt nicht, sie verändert sich nur.“ - Die Frage ist nicht,
ob es immer neue Variationen der selben alten Scheiße gibt. Auch wenn es glänzt und funkelt und laut ist, ist es lang nicht glaubwürdig, konstruktiv/destruktiv oder zukunftsträchtig. Es ist und bleibt Tapete, Alltagsdekoration. Dabei kann man weit aus mehr denken und tun. Die Rockmusik kann nicht mehr „neue, große Taten“ inspi- rieren.
(9) Wir sind völlig neue Kinder in einer völlig neuen Welt - wenn
wir uns an den alten Konventionen der Rockmusik hängen, werden wir niemals zu uns finden, weil alles Neue in uns überstrahlt wird mit den Gefühls- und Wahrheits-Klischees, die vor unserer Geburt schon galten. - Wenn Leute wie Herbert Grönemeyer oder Thomas Stein oder Günther Jauch bestimmte Musik als nett, schön, nützlich (für das Innenleben, etc.) empfinden, könne wir diese Musik sofort als un- brauchbar, als ungültig erklären. „Was wissen die von unserer Realität!“
Wenn ein Musiker gerade dabei ist, mein Herz zu erwärmen und mir wird versehentlich bewusst, wie unglaublich viel Geld er auf dem Konto hat, nimmt mein Gesicht die Züge von Andreas Baader an und ich starre immer kälter werden in die Lautsprecher und frage mich leise: „Dafür? Dafür?“
Ich werde es nicht und niemals akzeptieren, dass man mit belangloser Pop- und Rockmusik so pervers viel Geld machen kann.
Der Hauptgrund, weshalb ich nicht viel von meiner Generation halte ist, dass sie dieses groteske Ungleichgewicht sich nicht mit Sprengstoff zu beseitigen sehnen. - Ich bin von einem Song vielleicht auch einfach nie gerührt genug, um ihn mehrere Millionen Wert zu finden. Muss man dafür besonders sensibel oder besonders abge- stumpft sein?
Nick Tosches auf den ersten Seiten von „Unsung Heroes of Rock'n'Roll党: мSehen wir den Tatsachen ins Auge. Rock'n'Roll ist tot.
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Toter als die Achtziger. Toter als der päpstliche Penis. Bill Haley kam, verwandelte sich in Scheiße und war in Null Komma nix weg vom Fenster, und das alles passierte im Sommer 1954. Mit anderen Worten, der Kreis war bereits geschlossen und die Bestie Rock'n'Roll für den Massenzirkus gezähmt, als Elvis (noch so ein totes Arschloch) die Bühne betrat.“ Hell, yess! . . und in einem Artikel (“Der Lauf der Welt“) schreibt er weiterhin über den sogenannten King: „. .neu an Elvis war, dass er ein netter, wohlerzogener Weißer war; er panschte den puren Rock'n'Roll, trimmte ihn auf Bekömmlichkeitsniveau für die weißen Mittelstandsmassen, auf deren Geldbeutel er es abgesehen hatte. Die weitverbreitete Ansicht, dass er ein origineller Künstler war, lässt sich durch seine frühen Aufnahmen keineswegs unter- mauern. Er war ein Blender, und das von Anfang an. . Aber natürlich wird man sich weiterhin an ihn erinnern statt an die schwarzen Männer, deren Musik er ein für allemal trockenlegte.“ „Zeig mir deinen Lieblingslieder und ich sag dir wer du bist.“ ?? Eher: „Zeig mir deine Lieblingslieder und ich sag dir, wer du sein willst.“
Die Banalität dessen, was im Fernsehen und im Radio läuft, wird noch von der banalen Existenz derer übertroffen, die sowas konsumieren. Der Stumpfsinn der Massenmedien rechtfertigt den lebensnotwendigen Stumpfsinn der Massenmenschen.
„Stars“ existieren, damit das „einfache Volk“ immer eine schöne und bequeme Möglichkeit findet, sich das eigene Leben fern zu halten. - Das verzweifelte Anhimmeln von denen, die sich (zumindest materiell) auf die „sonnige Seite der Straße“ gekämpft oder gekauft haben, ist ja zu tiefst irrational - und in dieser Irrationalität liegt der eigentliche Reiz
Die Musik entfaltet deine verdrängten Hoffnungen, bastelt daraus einen Papierflieger und lässt ihn aus dem Fenster gleiten in die wei- ßen Wolken. Dein Herz will hinterher, aber dein Körper ist zu schwer.
Du machst die Musik aus und nimmst einen Hammer in die Hand.
„Melodien sind nur das Geschwätz in der Musik.“ (Edgar Varèse) --------------------- Es ist immer noch so viel Noise möglich.
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Es werden immer wieder schöne Lieder in die Welt gesetzt, die dich schöner und weiser machen wollen.
Musik ist stärker als Sexualität.
Drei Arten von musikalischer Energie: (1) konstruiert, mathematisch, idealistisch, pädagogisch; (2) plötzlich, übersteigert, übertrieben, eine Kraft ohne Ziel; (3) ernst, charaktervoll, selbst- sicher, abseits, ausdauernd, Ausdruck eines Kraftüberflusses.
Drei Arten des Tanzes: der Tanz des Pöbels, der Tanz der Pöbelverwalter, der Tanz der Kinder.
Klezmer ist vertonte Liebe, so wie Kinder lieben.
Eine bittere Heuchelei ist das, wenn Deutsche bloß aus moralischen Gründen Klezmer hören. Solche Leute sollen vergast werden.
Natürlich nicht bis zur letzten Konsequenz. Nur ein bisschen.
Gauner können besser tanzen als Idealisten.
Auf Musik kann man nicht „viel zu übertrieben“ reagieren. Die Musik ist entrückter als jede noch so wahnsinnige Handlung.
Ein Straßenfest mit bunten und düsteren Clowns, erlöster Musik, erlösten Menschen, saubere Luft. Kein Müll ohne Funktion, kein Leid ohne Liebe, keine Lust ohne Melancholie.
Irgendein Mädchen oder Junge aus der 11. Klasse dachte sich, man müsste der herkömmlichen Popmusik eine epische Schwester entgegenstellen, so wie Brecht dem herkömmlichen Theater sein episches entgegengestellt hat. Sie/er hat diesen Gedanken aber nicht weiterentwickeln wollen, weil sie/er in einer Lesekontrolle zur „Dreigroschenoper“ nur eine 4+ bekommen hat.
„Sadie“ von Joanna Newsom - dieses Lied illustriert genau das kindliche Bewusstsein, nach dem ich mich sehne: erhaben, verträumt, ernst, leicht, fest, naturverbunden.
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Du bist die Personifikation genau jener Musik, die dich zum Leben verführt.
Mir ist der Gedanke gekommen, dass meine Fähigkeit zu erkennen, wie Musik nicht nur psychologisch, sondern sogar ganz physisch auf mein Gehirn wirkt und sie dann entsprechend meiner Bedürfnisse auszuwählen, bestimmt inwieweit ich noch zu retten bin.
Musik erspart uns keine Verzweiflung, aber macht sie erträglich, mitunter sogar liebenswert.
Wenn die Musik aus ist, hör auf zu denken, hör auf zu schreiben, hör auf irgendetwas konstruktives zu tun.
Biologische, psychedelische, kafkaeske &/ brutale Musik. Der Leib, der Wahnsinn, die Entfremdung, die Gewalt. Grundlegende, lebensnotwendige мProzesse党. Massenmord und Selbstmord die extremen Pole zwischen denen sich alles bewegt. Angst und Schrecken erleben und verbreiten. Dies der Komposthaufen, der Anfang, der Horizont. - Raumerzeugung!! Ich mhte eine Band gr・den und mich an folgenden Genres versuchen: Apocalyptic Folk, Dark Freejazz, Violent Psychedelic Blues, Electro Junk Pop, Gypsy Punk, Hangover Klezmer, Biological Noise, Psychedelic Circus Muzak, Ambient Trash, Gypsy Trash, Apocalyptic Shaman Blues.
Düstere Fetzen No-Wave, explosiver, bis an die Grenzen des Hörbaren sprudelnder Free-Jazz, kalte, sehnsüchtige Klezmer-Songs, schräge, minimalistische Piano-Balladen, tropisch-fruchtige, knall- bunte Ethno-Klänge, elektronischer Dadaismus, surrealistische Kinderlieder, punkige Gassenhauer und Klangcollagen aus Stimmen, Maschinenstampfen und nicht näher identifizierbaren Instrumenten.
Musik die in ihrer Gesamtheit die Vielfalt und Tiefe des Leben darstellt, die man im Berufsleben und im Alltag oft vergisst.
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Vereinigung von Musikern, Philosophen und Wissenschaftlern, die im Graben zwischen Leben und Tod ihre Delirien auskostet, die Essenz all ihrer Kräfte bündeln. Unabhängig, selbstsüchtig, amoralisch, ohne jeden Idealismus. An Ekstasen basteln, die einen mit dem Tod inkompatibel machen.
Energie die sich Platz schafft. Emporwachsen und über der Erde ausbreiten bis es nicht mehr geht.
You are what you watch
Holger Kreymeyer betreibt im Internet Fernsehkritik.TV, eine meist banale Sendung, welche zweimal im Monat die Dummheit und Geldgeilheit und Skurrilität der Fernsehwelt dokumentiert. Kreymeyer gibt sich als kumpelhafte, investigative, moralische Instanz für Leute, die ohnehin kritisch zum Fernsehen stehen - meistens sehr witzlose, langweilige Puddingköpfe. Kreymeyer verarbeitet nicht, was im Fernsehen passiert, er bildet es nur ab und macht seine harmlosen Witze. Ihm und seinem Publikum fehlt es an Geschmack und Bosheit.
Sie regen sich über unterhaltsame Geldabzockereien auf, die der Menschheit an sich seit Jahrtausenden bekannt sind. Sie haben einen sehr oberflächlichen Intelligenz-Begriff (als wäre z.B. das Format „Bauer sucht Frau“ dumm, „nicht intelligent“, was doch Unsinn ist zu sagen, denn schon unter ökonomischen Aspekten ist es sehr intelligent - und was soll man auch von einem Privatsender erwarten? Es wäre gerade zu dumm, mit einer Dokumentation über Gamelan sich in den Kampf um Quoten zu begeben.) Sie fühlen sich von dem Fernsehprogramm beleidigt, sind selbst aber nicht in der Lage, einen neuen, frischen, originellen Geschmack zu begründen und umzu- setzen. Am Ende haben sie vielleicht auch ihren schaurigen Spaß dran wie die Millionen anderen Leute, die sich von RTL und SAT1 unterhalten lassen. Einfach nur einen Zeigerfinger draufhalten reicht einfach nicht. Die, die es scheiße finden, brauchen nicht zu hören, dass es scheiße ist - und die die solche Sendungen toll finden und nötig haben, die können auch nicht mit einem „schau mal, sind die alle doof!“ verbessert werden. - Es ist tatsächlich so, dass das Fernsehen noch eine wichtige, mächtige Instanz ist und man kann am Fernseh- Programm erkennen, wie die Gesellschaft funktioniert. Fernsehkritik 265
ist Gesellschaftskritik und Wertekritik als solche. Kreymeyers Sendung ist leider sehr oberflächlich. Ich vermute, er sehnt sich einfach das charmante, naive, weniger auf Quoten schielende Fernsehen seiner Kindheit zurück und daran wäre auch nichts auszusetzen, wenn er sich nicht so ekelhaft aufblasen würde.
(a) Grundsätze eines Fernsehsenders, den ich gründen werde:
Ziel ist ein ausgewogenes, kontroverses, freigeistiges Programm; ein Aufeinanderprallen von Widersprüchlichkeiten ist erwünscht, es gibt keinerlei Tabuisierung;
die täglichen Nachrichten sind unabhängig von Parteien, Interessenverbänden, Konzernen, Ideologien; der Journalist betreibt seinen Beruf eher wie ein kühler Wissenschaftler als wie ein lauwarmer Prediger; er stellt eine größtmögliche Zahl unterschiedlicher Meinungen, Ansätze, Werte, etc. vor - und zwar wertfrei - sodass der Zuschauer nach seiner privaten Natur gemäß die Informationen einordnen muss;
Finanzierung: jede Partei, jeder Interessenverband, jeder Einzelne kann sich bis zu 15 Minuten Sendezeit kaufen, die er absolut frei gestalten kann; ein unabhängiges Komitee kommentiert und sorgt für Ausgewogenheit;
das Programm wird interaktiv gestaltet; Zuschauerstimmen fließen direkt in die Sendeplanung ein - originelle, einmalige Vorschläge haben dabei einen höheren Stellenwert als Meinung- en/Wünsche, die von Vielen/dem Meisten geäußert werden;
keinerlei Relevanz in Programm haben: Sport, Gewinnspiele, Soaps, мgeskriptete Doku-Soaps党;
einmal in der Woche bekommen alle im Bundestag vertretenen Parteien (und bestimmte außerparlamentarische Kräfte) gleich viel Sendezeit (eine Stunde), die sie frei gestalten können.
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