INTRO /// Ich versteh nicht, warum mich immer noch Leute besuchen; meine Arroganz scheint mir überall raus, ich stinke und glaube nicht an Freundschaft, wir haben nichts voneinander, ich und die Anderen, aber bringen es fertig, ein paar Stunden auf meinem Balkon zu sitzen und die rauschenden Bäume und den hellgrauen Himmel und die schwarzen Vögel zu betrachten und etwa alle fünf bis zehn Minuten sagt einer irgendeine Banalität oder einen sinnlosen Halbsatz. Wir schauen uns kaum an. Ich glaube, es kommt bald wieder jemand vorbei. Sebastian wollte mir ein altes Klavier vorbeibringen, das er auf dem Dachboden seiner Mutter gefunden hat. Ich mag es, mich in falsche Akkorde hineinzusteigern, in dissonanter Trance Halt zu suchen, denn an guten Tagen finde ich ihn.
Die Sehnsucht, mir in meiner Wohnung ein Loch auszuheben und darin einen Hund abzuschlachten, frisst wie ein süßer Tumor an meiner Depression und verwandelt allmählich mein staatlich allimentiertes Leben in ein freches Grinsen, das selbst den eifersüchtigsten, bösartigsten Gott hinreißen kann. Ich breite meine Arme aus und verfluche die Abwesenheit von Menschen, denen ich hysterisch an die Kehle springen würde wie ein Affe.
Ein Mensch der keine Bedeutung hat, bewirkt genau so wenig wie ein Mensch, der sich nicht äußert, wie ein Mensch, der gar nicht vorhanden ist. Man muss wirken, um Lust am Leben zu haben. Dem Einen reicht ein Kind, das er von sich abhängig machen und erziehen kann, der Andere möchte einen ganzen Staat unter seine Kontrolle bringen. Mir reicht es, vor den Augen aller Menschen dieser trostlosen Stadt meine öden Schlager abzufeiern mit purer Gänsehaut-Power und überteuertem Bier. ///
FLORIAN SILBERFISCH SINGT WILD HERUM
---
So viel Scheiße wäre uns erspart geblieben,
Wenn du dich nicht durch deine Depression gekämpft hättest,
Du hattest nichts zu geben und hast trotzdem trotzdem
Weitergemacht
Alles was ich sagen kann
Hat nichts mit dem Stumpfsinn zu tun
Den ich nicht ausdrücken kann
Nur Schreibblockaden schützen vor Lächerlichkeit
Ich bin mit diesem Lied verbunden
Wie meine Stimme mit meinem Körper
Ich sitze unbequem und kann daran nichts ändern,
mir ist schwindlig, mir ist fast wie kotzen zumute,
die Luft hier ist schlecht, das Licht nervt mich
flackert es oder zuckt mein Augenlid?
----
Mein Gehirn macht Gefühle,
die nirgends kleben bleiben wollen.
Sie bilden eine traurige Pfütze.
Alles muss durch den Häcksler!
Erst wenn alles keinen Sinn mehr ergibt und
alle Grenzen des Geschmacks zerstört sind,
kann die Zivilisation aufatmen
und alles neu verhandeln.
Alle natürlichen Regungen werden unterdrückt
von einem Panzer der Gewohnheit.
Man erlaubt nur denen, die ihn nicht sprengen können,
ihn zu sprengen.
Alles, was ich singe, entspringt
der Unfähigkeit, bestimmte Prominente zu erschießen,
sowie meiner Angst, bloß ein Hochstapler zu sein,
der nichtmal John Lennon hätte ermorden können.
Es gibt Lieder, die will man umarmen,
es gibt Lieder von denen will man umarmt werden.
Solche Lieder werde ich bald erfinden.
Alles muss durch den Häcksler!
Erst wenn alles keinen Sinn mehr ergibt und
alle Grenzen des Geschmacks zerstört sind,
kann die Zivilisation aufatmen
und alles neu verhandeln.
Die Idee der Gerechtigkeit hält das Tier an der Leine,
Bis die Idee selbst zum Tier wird.
Ich glaube, ein Mord würde mich genau so verderben
wie die Unterdrückung der Lust einen zu begehen.
Wer bezahlt mich denn dafür,
aufrichtig zu sein?
Wer klopft mir auf die Schulter,
wenn ich authentisch bin?
Es kommt mir so falsch vor, etwas Bestimmtes zu tun;
ein Gefühl ist wie ein Urteil, das ich respektiere, weil der Richter schöne Augen hat.
Es kommt mir so falsch vor, Kaffee zu trinken. Jede Droge belügt den Körper.
Ich stampfe wie ein dummes Kind um meinen zukünftigen Tod herum,
ich wundere mich, wer dieses Loch gegraben hat,
in das ich fallen werde, wenn mein Herz nicht mehr schlagen kann.
----
Mich töten oder jemand anderes, das ist nur
eine Frage der Koffeinkonzentration im Gehirn.
Ich möchte meinen Kopf solang schütteln, bis ich
meine Wohnung nicht mehr wiedererkenne,
bis Rauch aus meiner Wohnung tritt und ein
Gespräch mit der grauen, bitteren Kälte der Straße anfängt.
Jeder möchte sich irgendwie einbringen in dieses Leben.
Die Ausdehnung des Himmelgrau ist messbar,
die der Fassungslosigkeit nicht.
Ich habe tiefe, dunkle Wurzeln in meiner Wohnung geschlagen
Ich bin mehr als diese Wohnung, diese Sackgasse, diese Stadt!
Und ich werde noch mehr als der Sturz, mehr als die Geschlagenheit,
mehr als der Verlust gewesen sein!
Schwarzer Kaffee macht schwarze Gedanken.
Das Rauschen des Laptops bohrt mir ein Loch in die Stirn,
Soldaten hissen auf einem Leichenberg eine Flagge,
hunderte Menschen ertrinken im Mittelmeer
und ich stehe mit euch am Strand und sehe
in die Wellen
Ich will mir irgendetwas abpflücken von der Zimmerdecke,
aber da ist nicht mehr als eine Glühbirne
Indem ich nicht das Haus verlasse
und mich verweigere jeder Beschäftigung,
wirke ich dem Alterungsprozess
meines Körpers entgegen.
Über wieviel Atemzüge verfüge ich noch?
Wie kann ich mich bloß getraut haben,
dieses Lied zu singen?
Wie kann ich alles, was ich von mir weiß,
so furchtbar ignoriert und mich
so furchtbar weit aus dem Fenster gelehnt haben?
Zuversicht und Disziplin mangelnd
kann ich nur die Substanz verlieren.
----
Immer wenn ich an dich denke
hab ich Lust jemanden zu umarmen
Meine Libido ist zwischen den Zeilen verklemmt
Ich habe etwas mitzuteilen,
aber muss Mittel benutzen,
die gegen meinen Geschmack sind.
Ich werde nie wieder Musik hören.
Niemals berühre ich dich.
Ich stell mir vor, wie mir jemand den Schädel einhaut.
Ich werde niemals die Klinken
all meiner Hintertüren putzen können.
Ich schaffe es immer wieder,
mit all den Strophen, die ich nicht singe,
die Musikgeschichte aus den Angeln zu heben.
Was tun, wenn nichts mehr zu sagen
und erst recht nichts mehr zu tun,
aber schlafen unmöglich ist?
Versteck dich vor der Welt, reagiere auf nichts mehr,
glotze den grauen Morgenhimmel an,
komm der namenlosen Angst immer näher.
Langsam verschwindet der Druck, mich auszudrücken.
Die Erleichterung, die ihm folgt,
ist das Höchstmaß an Aufrichtigkeit,
das ich jemals werde leisten können.
***
MUTTERSCHÖN DANKESCHÖN
Desc:
FLORAN SILBERFISCH
mutterschön dankeschön
------1-------
VON ALLEN SEITEN
Die Schule lehrt Demut,
die Arbeit lehrt Schmerz,
die Eltern lehren Schuld,
sie kommen von allen Seiten
Solidarität ist ein Kaktus
Solidarität ist ein Lappen
Solidarität ist Blumenbeet
sie kommen von allen Seiten
In einer Stadt in der nichts passiert,
ist alles möglich, denn alles ist nötig,
das Publikum ist nicht wählerisch,
hier nehmen sie, was wie kriegen können
die Dunkelheit lehrt Angst
das Licht lehrt Wahrheit
das Licht lehrt Lüge
sie kommen von allen Seiten
Solidarität ist ein Stachelschwein
Solidarität ist ein Lappen
Solidarität ist Genickbruch
sie kommen von allen Seiten
-----2---
NOISE
Wir brauchen keine Aufpasser
ich bin der wichtigste Mensch hier
ein Sonderangebot
Wir sind die Stachelschweine,
wir sind die Intruder
deine Angst führt was im Schilde
warum hast du Angst?
Etwas ging fürchterlich schief
und du willst wieder strahlen
wie eine Sonne im Grab lass dich berühren
ich will dich verderben
Ich weiß du brauchst mich
warum hast du Angst?
Du musst mir nichts versprechen
meine Liebe ist stärker als deine Liebe
vertrau mir nicht
--3----
GURU
Ich verachte Menschen dafür,
genau so wenig wie ich Lust zum Sterben zu haben.
Ich teile mein Bett nur mit Leuten,
die nicht sonderlich am Leben hängen.
Das Leben ist keine Belohnung
und der Tod ist keine Bestrafung,
aber warum ich?
"Er wurde wahnsinnig,
weil er nicht ertragen konnte,
kein Gott zu sein.
Er wurde getötet von denen,
die sich vor seinem Wahnsinn
gefürchtet haben."
Durchdrehen ist zu einfach
für dich und mich.
Wir müssen nur ein kleines bisschen konsequent sein.
Austicken kostet keine Mühe.
Achte auf die Belastungsgrenzen deines Gehirn.
Alle Materie hat Belastungsgrenzen.
Trau dir nicht zu viel zu,
behalte die Kontrolle,
sag lieber vielleicht
Verlass dich nie auf einen Freund,
bezweifel jedes schöne Lächeln,
und rede dir deine Kälte nicht schlecht.
Wenn dir alles egal ist,
dann schaust du
als Wahrheit in die Wahrheit.
-----4-----------
PLAN
Der Gedanke, mein Leben einer höheren Idee zu widmen,
so absurd wie der Gedanke,
meine sterblichen Überreste
dem Bundespräsidenten zu vermachen.
Ich sag dir, dass ich meinen roten Faden
vor vielen Jahren verloren hab.
Du fragst, ob ich ihn suche.
Ich sag, vielleicht, wer weiß.
Ich könnte mich damit erhängen
an der schwarzen Müdigkeit
hinter meinen Augen.
Rettet mich vor gleißenden Müdigkeiten,
die die Sonne über Europa strahlt.
Hinrichtungen, Pornos und
Eichhörnchenvideos. Ich verfüge über alles.
Letztlich habe ich keine Ahnung,
was die Leute wollen.
------5----
DAS TIER SINGT
„Ich muss mit meinem Leben nichts anfangen.“
tröste ich mein aufgepeitschtes Gehirn
durch eine weitere schlaflose Nacht.
Ich hab Lust mir einzupissen.
Es ist alles so trocken und still und flach hier.
Die Zeit ist öder, dickflüssiger Tran.
Ich warte auf eine entscheidende Wende.
Ich hab Lust mir einzukacken.
In einer Stadt wie Erfurt ist es schwer,
kriminelle Gedanken .
Wie wäre es zum Beispiel
mit Vergewaltigung?
Komm du blöde Puppe, mach die Beine breit,
Ich schände dich in den siebten Himmel,
Du willst es genau wie ich, komm her!
Beim Ficken und im Krieg ist alles erlaubt,
Alles ist sinnlich, was dem Fröhlichen Sinn macht,
Der Mann ist der Hammer, die Frau der Amboss.
----
***
Andere Lieder FS (fertig)
Desc:
-----5--------------
HASENFALLE
Du ziehst das wilde Jahr in die Länge
Wie ein Soldat ohne Krieg
deine Klagemauer ist der Tresen
Der alte Kronleuchter schunkelt
ich raube mir jeden Tag etwas
von der sinnlosen Zeit die herumliegt überall,
bewacht von mechanischen Augen
nichts besseres zu tun, weil
niemand was besseres anbietet
Das Bier entlockt uns ein letztes metaphysisches Rülpsen
wir hab es nicht verdient,
von mir besungen zu werden
ich kann jedenfalls nur im Junk sicher singen
Eines Tages bin ich bestimmt ein großes Tier
befeiert für alles was ich kann
eines Tages werde ich ganz nach oben fallen
und das Kaninchen singt:
"Seine Hoffnung stellt dir ein Bein,
deine Entscheidungen fallen"
Manische Kulturpessimisten tummeln sich
immer fetter werdend auf dem Schwarzmarkt des Lebens
fast alle Häuser verlassen
der Regen stinkt nach Gummi,
die Spielstraßen sind nur noch geöffnet für die Großen
ein Zug mit singenden Sklaven im blutroten Mondlicht
neben mir verblüht die letzte Rose des Jahres
-----6------
ÜBERDRUSS
Freitagabend wie jeder Abend,
ich stecke meinem Überdruss
ein buntes Eisschirmchen ins Dekolleté
und dreh mich dreimal um meine eigene Achse
lass mich in das staubige Sofa fallen,
das freundlich hustet und bereit ist, mich zu verdauen,
während sich mein Überdruss durch meine Klamotten wühlt
und nichts passendes findet.
Gekuschelt an freundliche Träume ziehe ich
meinen Körper zu einem müden Lächeln zusammen
und mein Überdruss hat Lust, in die Stadt zu gehen
und das Erwartbare zu erwarten.
Wie kann man nur so eine Pfeife sein?
Ich lunze unter meinen Träumen hervor,
seh ihn im Türrahmen stehen und kann mir
ein überhebliches Lachen nicht verkneifen.
Mein Überdruss hat ein ratloses Gesicht,
seine Enttäuschung wird immer aggressiver,
während ich langsam wieder eindöse -
Freitagabend wie jeden Abend.
---7--------
KLEINSTADTWALTZER
Vier Freunde sitzen am Stadtbrunnen
und der blaue Abend küsst die schwarze Nacht
Einer der Freunde ist sehr glücklich,
einer ist ein bisschen glücklich,
einer ist ein bisschen unglücklich
und einer ist sehr unglücklich.
Schließ dich an
den Hauptstrom an
Die Polizei sieht alles hier
Alle Polizisten sehen hier wie brutale Väter aus
die brutalen Väter wie Versicherungsvertreter
und alle Versicherungsvertreter sehen wie Metzger
und alle Metzger wie Vergewaltiger aus
Die Vergewaltiger sehen hier alle wie Fernmeldetechniker aus
die Fernmeldetechniker wie Leute vom Ordnungsamt
und alle Leute vom Ordnungsamt wie Hauptschulsportlehrerinnen
und alle Hauptschulsportlehrerinnen wie Kassiererinnen
Die Kassiererinnen sehen alle wie Ganoven aus
und die Ganoven sehen alle wie Bettler aus
die Bettler sehen alle wie Erleuchtete aus
und alle Erleuchteten wie Verrückte.
-------8--
HERBST
Der Herbst schiebt unserer schönen Stadt
seinen feuchten, kalten Finger in den Arsch
und die Gesichter der Menschen ziehen sich zurück
in die Festung ihrer Unfreundlichkeit.
Der letzte Harlequin spielt Violine auf dem Marktplatz,
sein Gesicht weiss, die Augen verbogene Revolverpatronen,
die Kinder müssen nach hause, bevor es dunkel wird,
ihre Eltern ziehen hoffnungslose Kreise wie die Vögel oben.
Es ist zu spät, zu spät, sie finden nicht mehr heraus,
alle sind verurteilt, in dieser Stadt dem Winter standzuhalten.
alle müssen aufeinanderhocken und um ihr Fressen kämpfen,
die Kälte wird sie alle zu Bestien machen und der Harlequin singt:
"Mach dir bloß keine Hoffnung! werde hart! werde hart!
Verwandel die Kohle in deinem Herzen in einen schwarzen Diamanten,
denn der Winter wird uns alle richtig ficken!"
Die Mägen von Müll und Schmerzen gebläht,
ziehen die Kinder durch die Morgendämmerung,
spielen wilde, tödliche Spiele mit den Geiern und Hyänen,
von denen sie großgezogen wurden mit strenger Liebe.
In der größten Not gibt es keine Liebe mehr, schau!
Der dunkelgraue Himmel lässt die Sehnsucht verkümmern
und der letzte Harlequin spielt sein letztes Lied,
bevor er sich mit einer stumpfen Axt den Hungernden anschließt.
"Mach dir bloß keine Hoffnung! werde hart! werde hart!
Verwandel die Kohle in deinem Herzen in einen schwarzen Diamanten,
durch den Winter kommt man nur als Tier!"
Es ist mein Recht zu überleben, und alles ist gut und richtig,
was mich überleben lässt in diesem traurigen Kolloseum,
ich glaube an den Frühling und die Liebe und die Menschen, aber nicht im Winter,
wenn ihr Hunger und ihre Angst so schamlos werden.
Die Sehnsucht, mir in meiner Wohnung ein Loch auszuheben und darin einen Hund abzuschlachten, frisst wie ein süßer Tumor an meiner Depression und verwandelt allmählich mein staatlich allimentiertes Leben in ein freches Grinsen, das selbst den eifersüchtigsten, bösartigsten Gott hinreißen kann. Ich breite meine Arme aus und verfluche die Abwesenheit von Menschen, denen ich hysterisch an die Kehle springen würde wie ein Affe.
Ein Mensch der keine Bedeutung hat, bewirkt genau so wenig wie ein Mensch, der sich nicht äußert, wie ein Mensch, der gar nicht vorhanden ist. Man muss wirken, um Lust am Leben zu haben. Dem Einen reicht ein Kind, das er von sich abhängig machen und erziehen kann, der Andere möchte einen ganzen Staat unter seine Kontrolle bringen. Mir reicht es, vor den Augen aller Menschen dieser trostlosen Stadt meine öden Schlager abzufeiern mit purer Gänsehaut-Power und überteuertem Bier. ///
FLORIAN SILBERFISCH SINGT WILD HERUM
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So viel Scheiße wäre uns erspart geblieben,
Wenn du dich nicht durch deine Depression gekämpft hättest,
Du hattest nichts zu geben und hast trotzdem trotzdem
Weitergemacht
Alles was ich sagen kann
Hat nichts mit dem Stumpfsinn zu tun
Den ich nicht ausdrücken kann
Nur Schreibblockaden schützen vor Lächerlichkeit
Ich bin mit diesem Lied verbunden
Wie meine Stimme mit meinem Körper
Ich sitze unbequem und kann daran nichts ändern,
mir ist schwindlig, mir ist fast wie kotzen zumute,
die Luft hier ist schlecht, das Licht nervt mich
flackert es oder zuckt mein Augenlid?
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Mein Gehirn macht Gefühle,
die nirgends kleben bleiben wollen.
Sie bilden eine traurige Pfütze.
Alles muss durch den Häcksler!
Erst wenn alles keinen Sinn mehr ergibt und
alle Grenzen des Geschmacks zerstört sind,
kann die Zivilisation aufatmen
und alles neu verhandeln.
Alle natürlichen Regungen werden unterdrückt
von einem Panzer der Gewohnheit.
Man erlaubt nur denen, die ihn nicht sprengen können,
ihn zu sprengen.
Alles, was ich singe, entspringt
der Unfähigkeit, bestimmte Prominente zu erschießen,
sowie meiner Angst, bloß ein Hochstapler zu sein,
der nichtmal John Lennon hätte ermorden können.
Es gibt Lieder, die will man umarmen,
es gibt Lieder von denen will man umarmt werden.
Solche Lieder werde ich bald erfinden.
Alles muss durch den Häcksler!
Erst wenn alles keinen Sinn mehr ergibt und
alle Grenzen des Geschmacks zerstört sind,
kann die Zivilisation aufatmen
und alles neu verhandeln.
Die Idee der Gerechtigkeit hält das Tier an der Leine,
Bis die Idee selbst zum Tier wird.
Ich glaube, ein Mord würde mich genau so verderben
wie die Unterdrückung der Lust einen zu begehen.
Wer bezahlt mich denn dafür,
aufrichtig zu sein?
Wer klopft mir auf die Schulter,
wenn ich authentisch bin?
Es kommt mir so falsch vor, etwas Bestimmtes zu tun;
ein Gefühl ist wie ein Urteil, das ich respektiere, weil der Richter schöne Augen hat.
Es kommt mir so falsch vor, Kaffee zu trinken. Jede Droge belügt den Körper.
Ich stampfe wie ein dummes Kind um meinen zukünftigen Tod herum,
ich wundere mich, wer dieses Loch gegraben hat,
in das ich fallen werde, wenn mein Herz nicht mehr schlagen kann.
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Mich töten oder jemand anderes, das ist nur
eine Frage der Koffeinkonzentration im Gehirn.
Ich möchte meinen Kopf solang schütteln, bis ich
meine Wohnung nicht mehr wiedererkenne,
bis Rauch aus meiner Wohnung tritt und ein
Gespräch mit der grauen, bitteren Kälte der Straße anfängt.
Jeder möchte sich irgendwie einbringen in dieses Leben.
Die Ausdehnung des Himmelgrau ist messbar,
die der Fassungslosigkeit nicht.
Ich habe tiefe, dunkle Wurzeln in meiner Wohnung geschlagen
Ich bin mehr als diese Wohnung, diese Sackgasse, diese Stadt!
Und ich werde noch mehr als der Sturz, mehr als die Geschlagenheit,
mehr als der Verlust gewesen sein!
Schwarzer Kaffee macht schwarze Gedanken.
Das Rauschen des Laptops bohrt mir ein Loch in die Stirn,
Soldaten hissen auf einem Leichenberg eine Flagge,
hunderte Menschen ertrinken im Mittelmeer
und ich stehe mit euch am Strand und sehe
in die Wellen
Ich will mir irgendetwas abpflücken von der Zimmerdecke,
aber da ist nicht mehr als eine Glühbirne
Indem ich nicht das Haus verlasse
und mich verweigere jeder Beschäftigung,
wirke ich dem Alterungsprozess
meines Körpers entgegen.
Über wieviel Atemzüge verfüge ich noch?
Wie kann ich mich bloß getraut haben,
dieses Lied zu singen?
Wie kann ich alles, was ich von mir weiß,
so furchtbar ignoriert und mich
so furchtbar weit aus dem Fenster gelehnt haben?
Zuversicht und Disziplin mangelnd
kann ich nur die Substanz verlieren.
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Immer wenn ich an dich denke
hab ich Lust jemanden zu umarmen
Meine Libido ist zwischen den Zeilen verklemmt
Ich habe etwas mitzuteilen,
aber muss Mittel benutzen,
die gegen meinen Geschmack sind.
Ich werde nie wieder Musik hören.
Niemals berühre ich dich.
Ich stell mir vor, wie mir jemand den Schädel einhaut.
Ich werde niemals die Klinken
all meiner Hintertüren putzen können.
Ich schaffe es immer wieder,
mit all den Strophen, die ich nicht singe,
die Musikgeschichte aus den Angeln zu heben.
Was tun, wenn nichts mehr zu sagen
und erst recht nichts mehr zu tun,
aber schlafen unmöglich ist?
Versteck dich vor der Welt, reagiere auf nichts mehr,
glotze den grauen Morgenhimmel an,
komm der namenlosen Angst immer näher.
Langsam verschwindet der Druck, mich auszudrücken.
Die Erleichterung, die ihm folgt,
ist das Höchstmaß an Aufrichtigkeit,
das ich jemals werde leisten können.
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MUTTERSCHÖN DANKESCHÖN
Desc:
FLORAN SILBERFISCH
mutterschön dankeschön
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VON ALLEN SEITEN
Die Schule lehrt Demut,
die Arbeit lehrt Schmerz,
die Eltern lehren Schuld,
sie kommen von allen Seiten
Solidarität ist ein Kaktus
Solidarität ist ein Lappen
Solidarität ist Blumenbeet
sie kommen von allen Seiten
In einer Stadt in der nichts passiert,
ist alles möglich, denn alles ist nötig,
das Publikum ist nicht wählerisch,
hier nehmen sie, was wie kriegen können
die Dunkelheit lehrt Angst
das Licht lehrt Wahrheit
das Licht lehrt Lüge
sie kommen von allen Seiten
Solidarität ist ein Stachelschwein
Solidarität ist ein Lappen
Solidarität ist Genickbruch
sie kommen von allen Seiten
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NOISE
Wir brauchen keine Aufpasser
ich bin der wichtigste Mensch hier
ein Sonderangebot
Wir sind die Stachelschweine,
wir sind die Intruder
deine Angst führt was im Schilde
warum hast du Angst?
Etwas ging fürchterlich schief
und du willst wieder strahlen
wie eine Sonne im Grab lass dich berühren
ich will dich verderben
Ich weiß du brauchst mich
warum hast du Angst?
Du musst mir nichts versprechen
meine Liebe ist stärker als deine Liebe
vertrau mir nicht
--3----
GURU
Ich verachte Menschen dafür,
genau so wenig wie ich Lust zum Sterben zu haben.
Ich teile mein Bett nur mit Leuten,
die nicht sonderlich am Leben hängen.
Das Leben ist keine Belohnung
und der Tod ist keine Bestrafung,
aber warum ich?
"Er wurde wahnsinnig,
weil er nicht ertragen konnte,
kein Gott zu sein.
Er wurde getötet von denen,
die sich vor seinem Wahnsinn
gefürchtet haben."
Durchdrehen ist zu einfach
für dich und mich.
Wir müssen nur ein kleines bisschen konsequent sein.
Austicken kostet keine Mühe.
Achte auf die Belastungsgrenzen deines Gehirn.
Alle Materie hat Belastungsgrenzen.
Trau dir nicht zu viel zu,
behalte die Kontrolle,
sag lieber vielleicht
Verlass dich nie auf einen Freund,
bezweifel jedes schöne Lächeln,
und rede dir deine Kälte nicht schlecht.
Wenn dir alles egal ist,
dann schaust du
als Wahrheit in die Wahrheit.
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PLAN
Der Gedanke, mein Leben einer höheren Idee zu widmen,
so absurd wie der Gedanke,
meine sterblichen Überreste
dem Bundespräsidenten zu vermachen.
Ich sag dir, dass ich meinen roten Faden
vor vielen Jahren verloren hab.
Du fragst, ob ich ihn suche.
Ich sag, vielleicht, wer weiß.
Ich könnte mich damit erhängen
an der schwarzen Müdigkeit
hinter meinen Augen.
Rettet mich vor gleißenden Müdigkeiten,
die die Sonne über Europa strahlt.
Hinrichtungen, Pornos und
Eichhörnchenvideos. Ich verfüge über alles.
Letztlich habe ich keine Ahnung,
was die Leute wollen.
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DAS TIER SINGT
„Ich muss mit meinem Leben nichts anfangen.“
tröste ich mein aufgepeitschtes Gehirn
durch eine weitere schlaflose Nacht.
Ich hab Lust mir einzupissen.
Es ist alles so trocken und still und flach hier.
Die Zeit ist öder, dickflüssiger Tran.
Ich warte auf eine entscheidende Wende.
Ich hab Lust mir einzukacken.
In einer Stadt wie Erfurt ist es schwer,
kriminelle Gedanken .
Wie wäre es zum Beispiel
mit Vergewaltigung?
Komm du blöde Puppe, mach die Beine breit,
Ich schände dich in den siebten Himmel,
Du willst es genau wie ich, komm her!
Beim Ficken und im Krieg ist alles erlaubt,
Alles ist sinnlich, was dem Fröhlichen Sinn macht,
Der Mann ist der Hammer, die Frau der Amboss.
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Andere Lieder FS (fertig)
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HASENFALLE
Du ziehst das wilde Jahr in die Länge
Wie ein Soldat ohne Krieg
deine Klagemauer ist der Tresen
Der alte Kronleuchter schunkelt
ich raube mir jeden Tag etwas
von der sinnlosen Zeit die herumliegt überall,
bewacht von mechanischen Augen
nichts besseres zu tun, weil
niemand was besseres anbietet
Das Bier entlockt uns ein letztes metaphysisches Rülpsen
wir hab es nicht verdient,
von mir besungen zu werden
ich kann jedenfalls nur im Junk sicher singen
Eines Tages bin ich bestimmt ein großes Tier
befeiert für alles was ich kann
eines Tages werde ich ganz nach oben fallen
und das Kaninchen singt:
"Seine Hoffnung stellt dir ein Bein,
deine Entscheidungen fallen"
Manische Kulturpessimisten tummeln sich
immer fetter werdend auf dem Schwarzmarkt des Lebens
fast alle Häuser verlassen
der Regen stinkt nach Gummi,
die Spielstraßen sind nur noch geöffnet für die Großen
ein Zug mit singenden Sklaven im blutroten Mondlicht
neben mir verblüht die letzte Rose des Jahres
-----6------
ÜBERDRUSS
Freitagabend wie jeder Abend,
ich stecke meinem Überdruss
ein buntes Eisschirmchen ins Dekolleté
und dreh mich dreimal um meine eigene Achse
lass mich in das staubige Sofa fallen,
das freundlich hustet und bereit ist, mich zu verdauen,
während sich mein Überdruss durch meine Klamotten wühlt
und nichts passendes findet.
Gekuschelt an freundliche Träume ziehe ich
meinen Körper zu einem müden Lächeln zusammen
und mein Überdruss hat Lust, in die Stadt zu gehen
und das Erwartbare zu erwarten.
Wie kann man nur so eine Pfeife sein?
Ich lunze unter meinen Träumen hervor,
seh ihn im Türrahmen stehen und kann mir
ein überhebliches Lachen nicht verkneifen.
Mein Überdruss hat ein ratloses Gesicht,
seine Enttäuschung wird immer aggressiver,
während ich langsam wieder eindöse -
Freitagabend wie jeden Abend.
---7--------
KLEINSTADTWALTZER
Vier Freunde sitzen am Stadtbrunnen
und der blaue Abend küsst die schwarze Nacht
Einer der Freunde ist sehr glücklich,
einer ist ein bisschen glücklich,
einer ist ein bisschen unglücklich
und einer ist sehr unglücklich.
Schließ dich an
den Hauptstrom an
Die Polizei sieht alles hier
Alle Polizisten sehen hier wie brutale Väter aus
die brutalen Väter wie Versicherungsvertreter
und alle Versicherungsvertreter sehen wie Metzger
und alle Metzger wie Vergewaltiger aus
Die Vergewaltiger sehen hier alle wie Fernmeldetechniker aus
die Fernmeldetechniker wie Leute vom Ordnungsamt
und alle Leute vom Ordnungsamt wie Hauptschulsportlehrerinnen
und alle Hauptschulsportlehrerinnen wie Kassiererinnen
Die Kassiererinnen sehen alle wie Ganoven aus
und die Ganoven sehen alle wie Bettler aus
die Bettler sehen alle wie Erleuchtete aus
und alle Erleuchteten wie Verrückte.
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HERBST
Der Herbst schiebt unserer schönen Stadt
seinen feuchten, kalten Finger in den Arsch
und die Gesichter der Menschen ziehen sich zurück
in die Festung ihrer Unfreundlichkeit.
Der letzte Harlequin spielt Violine auf dem Marktplatz,
sein Gesicht weiss, die Augen verbogene Revolverpatronen,
die Kinder müssen nach hause, bevor es dunkel wird,
ihre Eltern ziehen hoffnungslose Kreise wie die Vögel oben.
Es ist zu spät, zu spät, sie finden nicht mehr heraus,
alle sind verurteilt, in dieser Stadt dem Winter standzuhalten.
alle müssen aufeinanderhocken und um ihr Fressen kämpfen,
die Kälte wird sie alle zu Bestien machen und der Harlequin singt:
"Mach dir bloß keine Hoffnung! werde hart! werde hart!
Verwandel die Kohle in deinem Herzen in einen schwarzen Diamanten,
denn der Winter wird uns alle richtig ficken!"
Die Mägen von Müll und Schmerzen gebläht,
ziehen die Kinder durch die Morgendämmerung,
spielen wilde, tödliche Spiele mit den Geiern und Hyänen,
von denen sie großgezogen wurden mit strenger Liebe.
In der größten Not gibt es keine Liebe mehr, schau!
Der dunkelgraue Himmel lässt die Sehnsucht verkümmern
und der letzte Harlequin spielt sein letztes Lied,
bevor er sich mit einer stumpfen Axt den Hungernden anschließt.
"Mach dir bloß keine Hoffnung! werde hart! werde hart!
Verwandel die Kohle in deinem Herzen in einen schwarzen Diamanten,
durch den Winter kommt man nur als Tier!"
Es ist mein Recht zu überleben, und alles ist gut und richtig,
was mich überleben lässt in diesem traurigen Kolloseum,
ich glaube an den Frühling und die Liebe und die Menschen, aber nicht im Winter,
wenn ihr Hunger und ihre Angst so schamlos werden.
die Musik ist öde, aber ich kann sie nicht ändern,