1
Am Anfang hatte ich Angst vor Gott
und Angst vor dem Staat.
Dann hab ich herausgefunden:
Gott ist eine Metapher.
Der Staat ist eine Metapher.
Vor Metaphern braucht man keine Angst haben.
Vor Ideen braucht man keine Angst haben.
Nur vor denen, die daran glauben.
Die Kirche ist eine Enttäuschung.
Ich strebte nach Schönheit
und sie lehrte mich Angst,
suchte Vergebung, sie verlangte
Unterwerfung.
Man findet Gott nicht in Bibliotheken
oder Klassenzimmern,
sondern auf Hausdächern
und unter der Bettdecke.
Dass Gott eine Metapher ist
ist kein Einwand gegen ihn.
Dass der Staat eine Metapher ist
ist unser unverdientes Glück:
sein bürokratischer Sinn ist abschaffbar.
Wir lernten Gott als Metapher genießen
und wurden endlich fromm.
Wir lernten den Staat richtig zu lesen
und stiegen auf die Barrikaden.
Wer keine Lust hat, im Dreck zu leben,
hat kein Anrecht auf eine Frohe Botschaft.
2
Ein Gott der Angst macht, ist nichts wert,
wenn man schon Angst vor dem Leben und dem Staat hat.
Warum sollte man auf etwas vertrauen, das Angst macht?
Das ist meine Frohe Botschaft:
die Angst ist nur vorrübergehend.
Am Ende der Angst lodert die Gleichgültigkeit.
Je mehr man das Paradies nötig hat,
desto wirklicher erscheint es.
Doch wer ungeduldig ist, missversteht alles.
Alles was wir sind und erleben,
hat im Gehirn seinen Ursprung und sein Zentrum.
Hinter dem Gehirn kommt nichts mehr,
bloß noch der Schädelknochen.
Deshalb lohnt es sich nicht,
über ein Leben nach dem Tod nachzudenken.
3
Du sagst, du willst niemals
mit dem Finger auf konkrete Gesichter zeigen,
aber eines Tages wird jemand Neues
mit dem Finger auf die Mittäter zeigen.
Wer von uns wird das Urteil sprechen?
Der Reinste von uns,
der ohne Schuld ist,
der ohne Wille und ohne Blut ist.
Der Leichteste...
Seine Weisheit passt in keine Predigt,
seine Liebe ist kein Befehl.
Er sagt nicht: "Liebe mich oder verrecke!"
Er sagt: "Wenn du in jemanden verliebt bist,
spürst du die gleiche Liebe, die ich für dich empfinde.
Folge deiner Liebe, lass dich verwandeln von deiner Liebe
so verwandelst du dich in mir, an mir, durch mich."
Wer von uns wird das Urteil sprechen?
Der Reinste von uns,
der ohne Schuld ist,
der ohne Wille und ohne Blut ist.
Der Leichteste...
Um leichter zu werden, vermeide
mehrdeutige Zärtlichkeit, suche
tiefe, blaue Langsamkeit, erklär
die Heiterkeit zum Fundament.